Die menschliche Bereitschaft, in einem behauenen Stein oder einem Stück Holz mit etwas Farbe einen Gott, eine Göttin, einen Menschen, ein Tier, jedenfalls ein Wesen zu sehen, reicht weit zurück. Ein ähnlicher Glaube an eine Verwandlung greift heute, wenn wir uns zum Beispiel im Absender einer Spam-Nachricht ein reales Gegenüber erträumen, oder wenn wir den Agenten der Künstlichen Intelligenz unsere Ideen und Gefühle zur Ordnung anvertrauen, wie zuvor nur den nähesten Menschen.
Und natürlich findet Verwandlung auch in der Kunst statt: Arbeitskraft und Lebenszeit der Kunstschaffenden, ihre Konzepte von Welt und Wirklichkeit, materialisieren sich als Gegenstand von Betrachtung und Austausch.
Meine GESELLEN, diese feierlich den Raum einnehmenden Gesandten von der „anderen Seite“, laden bei ihrer Betrachtung dazu ein, an sie zu glauben, ihren Blick aufzufangen, sie zu fürchten oder über sie zu lachen, sie jedenfalls als Gesellschaft zu empfinden und sich dabei als Jemand in der Welt zu erleben.
Die Antlitze dieser nichtmenschlichen Subjekte sind Fotografien, die ich von zuvor modellierten und nach der Aufnahme zerstörten Reliefs anfertige, wodurch das Individuelle, die „Persönlichkeit“ der Figuren stets im Virtuellen und bereits Vergangenen liegt.
Die kristallinen Rahmenstrukturen, aus denen ihre Körper zusammengestellt sind, verankern sie hingegen in der Gegenwart des Ausstellungsraumes, wo die GESELLEN als Geistwesen aus dem Grenzland von Fotografie und Bildhauerei erscheinen.






